Fotografierst Du noch oder…. ?

Eins sei mal vorweggesagt, ich bin auf keinen Fall gegen Bildbearbeitung ABER….

…als ich angefangen habe, mich mit der Fotografie zu beschäftigen, dachte ich noch gar nicht an Photoshop & Co. Doch unweigerlich setzt man sich natürlich damit auseinander und findet, so wie ich, gefallen daran.

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Allerdings sieht man hierbei schon die Reihenfolge und somit die Priorität des ganzen – erst die Fotografie und dann die Bildbearbeitung. Und genau DAS, ist der Punkt!

Mir war und ist es immer wichtig, die Bilder so gut wie möglich aufzunehmen. Sicherheit steht an oberster Stelle und an zweiter Stelle steht, das Bild so gut zu planen und strukturieren, dass es meiner Idee, meinem gewollten Ergebnis, so nahe wie möglich kommt.

Die Magie ist es für mich, auf den Moment zu warten – eben bis er für mich perfekt ist und nicht den tollen Moment meines Motives aufzunehmen und am Ende den Rest perfekt zu machen.

Verliert es nicht total an Magie? Die Magie, dass Pferde frei über eine Wiese laufen? Die Magie, dass bestimmt viel Arbeit und Training hinter einem Bild steckt? Die Magie, mit dem Pferd so gut umzugehen, dass es vertraut und man gemeinsam frei arbeiten kann?

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Als ich anfing anderen Fotografen auf Facebook zu folgen kamen mir immer wieder Fragen wie: Wie bleibt das Pferd genau dort stehen? Wie macht die das, dass das Pferd dort wild durch ein Blumenfeld galoppiert? Was für ein perfekter Moment, wie bekommt die das Pferd dazu, genau das so zu machen?

Ich war einfach fasziniert, wie man mit Pferden so arbeiten kann, damit man das perfekte Ergebnis bekommt.

Aber meine Illusion wurde leider ziemlich schnell zerstört! Immer mehr Vorher-Nachher Bilder und Tutorials tauchten auf und schnell wird klar, das ist keine Magie, das ist Zauberei. Und beim Zaubern geht es um Tricks, um Täuschung und um Irreführung! Ich war entsetzt und fast schon traurig über das, was ich nach und nach herausfand. Es scheint bei vielen die Regel zu sein, Halfter und Trensen weg zu zaubern oder komplette Hintergründe auszutauschen. Menschen vor und hinter Pferden weg zu retuschieren oder einen Sonnenuntergang mühsam ins Bild zu zaubern, wo gar keiner war.

Logisch, auch ich schwinge gerne den Pinsel meines Photoshop Programmes, aber ich verändere i.d.R. nicht das komplette Bild. Da werden Kunstwerke erschaffen, die für mich nicht mehr viel mit Fotografie zu tun haben. Man schieße ein standardmäßiges Bild und verändert dann alles, was einem nicht gefällt. 
Auch reden alle immer von Bildstil. Und damit wird Lightroom und Photoshop in Verbindung gebracht. Das gehört auch dazu, aber viele Stile entstehen ausschließlich in diesen Bearbeitungsprogrammen.

Ein Bildstil fängt aber doch schon viel eher an. Bei der Idee, der Planung, der Modelsuche, der Locationsuche, der Umsetzung, der Perspektive und natürlich bei der Einstellung und Einsetzung der Kamera und der Objektive.

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Ich sehe viel zu oft, in meinen Augen, ganz schlecht und kaputt bearbeitete Fotos. Stempelspuren, die sich über das ganze Bild ziehen. Himmel und Hintergründe die da nicht hin gehören, offensichtlich! Pferdehälse die in der Realität nicht so pompös sind. Da werden Herbstblätter, Sonneneffekte und seltsame Farben in das Bild eingebaut.

Klar, alles eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber ist es nicht viel spannender, dass alles im Vorfeld zu versuchen? Mehr Zeit der Fotografie zu widmen um weniger Zeit am Computer zu vergeuden?

Besonders in der Pferdefotografie setze ich auf Natürlichkeit und versuche die Rahmenbedingungen so gut wie möglich zu gestalten, damit freies oder nahezu freies Arbeiten möglich ist.

Wie seht und haltet ihr das? Ich bin auf eure Meinung dazu sehr gespannt und weiß jetzt schon, hier scheiden sich die Geister!